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BeitragVerfasst: 16.01.2012, 02:50 
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Bis vor Kurzem dachte ich, dass mich Frauen nicht mehr überraschen könnten. Aber neulich kam es anders:

Hatte mal eine Arbeitskollegin -> zu viel Zeit mit ihr verbracht -> in sie verknallt.
Überraschenderweise *ironie* nur einseitig. Naja, doof wie ich nun mal war, hab ich ihr erzählt, dass ich in sie verliebt sei. Sie hat mir aber doch immer ziemlich deutlich die Grenzen unserer Freundschaft aufgezeigt.
Trotz der Tatsache, dass sie mit anderen Männern was hatte, hing ich wie ne Klette an ihr. Hab mich wie ein kleiner dummer Schuljunge aufgeführt. Da das aber alles (logischerweise) zu keinem über Freundschaft hinausgehendem Erfolg geführt hat, fing ich an, sie zu hassen.
Ich war stellenweise richtig gemein zu ihr! Das hat dann dazu geführt, dass ich herausfand, dass Pick-Up-Artists nicht sooo falsch liegen mit einigen Meinungen. Je gemeiner, abweisender, unberechenbarer und bestimmter ich wurde, desto näher wollte sie mir sein!
Je mehr ich das realisierte, desto mehr merkte ich aber auch, dass ich erstens niemanden wollte, der so beeinflussbar ist und zweitens nicht selbst so manipulierend sein wollte. Es gipfelte darin, dass ich mich selbst zu ihr einlud nachdem sie mich heulend angerufen hatte um sich über ihren frischen Ex auszuweinen. Wahrscheinlich hätte ich alles "tröstende" mit ihr in diesem Moment machen können. Aber so ein Mensch wollte und will ich nicht sein und das ist mir da klar geworden.
Naja, wir waren noch ein paar mal zusammen weg, aber eigentlich schlief das alles ziemlich ein. Mittlerweile hat sie auch schon lange nen recht anständigen Freund, ein paar mal im Jahr sehen wir uns, schreiben ein paar SMS.

Rückblickend ist mir das alles irgendwie auch peinlich. Erst dumm die Liebe gestehen, dann das AB-Sein, ein merkwürdiger Kuss um zu zeigen, dass ich nicht schwul bin, dann auch Eifersucht auf die bei ihr erfolgreichen Männer, dann sie echt mies behandeln, weil es irgendwie in ne Art Hass umgeschlagen ist....alles ist mir heute peinlich. Vieles würde ich heute nicht mehr machen bzw, anders.
Eigentlich gehe ich davon aus, dass sie das ähnlich sehen muss. Die ganzen erbärmlichen Annäherungsversuche von mir, Streitigkeiten, die wir hatten, wie sie quasi auf meine Manipulation hereingefallen ist usw...

Das ist jetzt alles schon ein paar Jahre her und - wie gesagt - sehen uns nur ein paar mal im Jahr.

Jetzt hatte sie nen Besuch per sms angekündigt. Nix besonderes, aber dennoch hatte ich das Gefühl, dass sie mir sagen wollte, dass sie heiraten wird. Als sie dann einige Stunden später kam, da war es tatsächlich so, dass sie mir erzählt hat, dass sie dieses Jahr heiraten wird! Ich kann ehrlich sagen, dass ich mich für sie freue!
Was mich aber sprachlos gemacht hat: sie möchte, dass ich ihr Trauzeuge werde!

Hab ich wirklich bei meinen dämlichen Versuchen so eine freundschaftliche Spur in ihrem Leben hinterlassen, dass sie ausgerechnet mich als Trauzeuge will?
Dass ich sehr schnell das (freundschaftliche) Vertrauen von Frauen bekomme ist mir zwar bekannt, aber Trauzeuge bin ich deshalb noch nicht geworden!
Böse Zungen könnten behaupten, sie habe sonst nicht viele "wahre" Freunde. Was zwar vielleicht nicht ganz verkehrt ist, aber trotzdem beschränkt sich unsere "gemeinsame Zeit" auf nur 2 oder 3 Jahre! Andere Freunde kennt sie schon fast ihr Leben lang!

Ich seh jetzt an der Sache mehrere Seiten:
1. fühl ich mich irgendwie geehrt, denke ich hab doch ne gute Seite an mir, die Eindruck hinterlässt.
2. denk ich, dass ich so fest in dem Kumpelfreundschaftsding feststecke, dass ich es nie zu einer Beziehung schaffen werde
3. Möglicherweise habe ich mich so weit verändert, dass ich jetzt Freundschaft und Liebe besser trennen kann?


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Verfasst: 16.01.2012, 02:50 




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BeitragVerfasst: 16.01.2012, 10:29 
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helpless80 hat geschrieben:
Hab ich wirklich bei meinen dämlichen Versuchen so eine freundschaftliche Spur in ihrem Leben hinterlassen, dass sie ausgerechnet mich als Trauzeuge will?


Ja. Zusammen gelöste Konflikte schweissen gerade Freundschaften oft mehr zusammen als nur gemeinsames heile Welt erleben. Du hast gelernt - sie hat gelernt. Vielleicht ist das ihre Art sich dafür zu bedanken. Differenzieren lernt man nur "by doing". Dazu gehört auch gehörig auf die Nase zu fallen. Leider. Deine Freundin hat vielleicht von Dir mittlerweile gelernt zwischen tatsächlichem Selbstbewusstsein und "gemein" wie du Dich zwischendurch beschrieben hast zu unterscheiden.

helpless80 hat geschrieben:
3. Möglicherweise habe ich mich so weit verändert, dass ich jetzt Freundschaft und Liebe besser trennen kann?



Klingt für mich so. Du hast die Graustufen kennen gelerntund Dich damit auseinandergesetzt. Die Welt ist nicht schwarz- weiss. Das ist soziales Lernen was Du gemacht hast. Du hast das probiert wovon Du überzeugt warst (incl. Deinem Pick Up versuch) und bist dabei mehr draufgekommen wer Du selbst eigentlich in Relation zu anderen bist. Authentizität. Gratuliere!


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BeitragVerfasst: 17.01.2012, 07:29 
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Ich glaube, dass ich aus der Sache viel über mich gelernt habe. Aber ich glaube auch, dass es mich gefühlsmäßig abgestumpft hat. Seither zeige (und empfinde) ich Zuneigung zu jemandem nicht mehr so offen. Glaube auch, dass ich ohnehin wenig positive, aber andererseits auch wenig negative Gefühle habe. Irgendwie vielleicht auch gut so.

Zusammen gelöste Konflikte schweissen sicher eher zusammen, als alltägliche Langeweile. Aber mich verwundert die Tatsache, dass Frauen scheinbar besser in der Lage sind, über unangenehme Vorkommnisse in Freundschaften hinwegzusehen.
ICH würde um eine Freundin einen Bogen machen, wenn ich wüsste, dass sie was von mir will, ich sie zurückgewiesen habe und ich mir nicht sicher bin, ob sie es so begriffen hat. Ich hätte Angst, dass ich ihr falsche Hoffnungen mache!
Vielleicht sind es Frauen aber auch besser gewohnt Abfuhren zu erteilen?!


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BeitragVerfasst: 17.01.2012, 10:55 
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helpless80 hat geschrieben:
Ich glaube, dass ich aus der Sache viel über mich gelernt habe. Aber ich glaube auch, dass es mich gefühlsmäßig abgestumpft hat. Seither zeige (und empfinde) ich Zuneigung zu jemandem nicht mehr so offen. Glaube auch, dass ich ohnehin wenig positive, aber andererseits auch wenig negative Gefühle habe. Irgendwie vielleicht auch gut so.

Zusammen gelöste Konflikte schweissen sicher eher zusammen, als alltägliche Langeweile. Aber mich verwundert die Tatsache, dass Frauen scheinbar besser in der Lage sind, über unangenehme Vorkommnisse in Freundschaften hinwegzusehen.

ICH würde um eine Freundin einen Bogen machen, wenn ich wüsste, dass sie was von mir will, ich sie zurückgewiesen habe und ich mir nicht sicher bin, ob sie es so begriffen hat. Ich hätte Angst, dass ich ihr falsche Hoffnungen mache!
Vielleicht sind es Frauen aber auch besser gewohnt Abfuhren zu erteilen?!


Mh. Lies Dir nochmal durch was Du oben geschrieben hast. Deine Freundin hat Dir zuerst zugemutet, dass Du die Entscheidung sie nicht mehr zu sehen selber treffen musst. Sie hat Dich nicht unterstützt wie Du das in einem ähnlich gelagerten Fall Deiner Aussage nach gemacht hast (ICH würde um eine Freundin einen Bogen machen, wenn ich wüsste, dass sie was von mir will, ich sie zurückgewiesen habe und ich mir nicht sicher bin, ob sie es so begriffen hat.) In der Situation hat sie sich dafür entschieden bei ihren Gefühlen zu bleiben und sie wollte an der Freundschaft zu Dir festhalten, obwohl sie wusste, dass das für Dich nicht grade leicht ist.
Später hat sie dafür dann Deinen "Hass" ertragen - vermutlich konnte sie den auch a bisserl nachvollziehn - und Dir trotzdem oder möglicherweise gerade noch mehr die Treue gehalten - möglicherweise sogar demonstrativ noch mehr, weil ein Teil von ihr gespürt hat, dass sie der Auslöser ist.

Heute habt ihr eine Freundschaft in der Du Dich ehrlich für sie freuen kannst wenn sie heiratet. Hättet ihr zwischendurch aufgegeben wüsstest ihr beide jetzt nicht mehr über euch selber. Sicher war das ein Weg, den heute viele nicht mehr gehn - ex und hop ist eher angesagt. Daher haben wir ja auch eine Gesellschaft in der viele nach aussen erwachsen aussehende Menschen die Persönlichkeitsentwicklung eines Jugendlichen und nicht eine altersgerecht haben. Konflikten wird ausgewichen, weils geht und weils bequem ist.
Ihr habt euch dem - mehr oder weniger freiwillig - gestellt. Und raus kam: Persönlichkeitsentwicklung...

Wir alle (auch Frauen!) werden bezüglich Liebe immer wieder desillusioniert, gerade weil unter dem Begriff soviel subsummiert wird und - wenn du genau hinschaust - jeder eine andere sich auch noch im Fluss befindliche Vorstellung davon hat. Das kann abstumpfen - das kann aber genausogut auch anregen. Nix is da fix.


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BeitragVerfasst: 17.01.2012, 19:15 
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Hopp und Weg! Ja, eigentlich sehe ich mich genauso. Durch ungewöhnliche Arbeitszeiten habe ich kaum noch Möglichkeiten gehabt, meinen ursrünglichen Freundeskreis aus der Schulzeit regelmäßig zu sehen. Das wurde mir teilweise als Boshaftigkeit ausgelegt, da mir viele nicht glauben wollten, dass ich die ganze Woche abends keine Zeit habe. Vielleicht wurde ich dadurch in gewisser Weise verletzt und habe daraus gelernt, dass es sich selten lohnt, um Freundschaften zu kämpfen (gerade wenn Rahmenbedingungen wie gemeinsame Freizeit schwer zu realisieren war).

Freundschaften kommen und gehen. Ich möchte mich heute auch nicht mehr unbedingt festlegen. Kürzlich wollten zwei sehr gute Freundinnen, dass wir uns alle ein Tatoo machen...natürlich bin ich geflüchtet :-)
Hat zu Missstimmungen geführt. Aber für mich okay. Ich bewege mich gerne zwischen den Fronten. Habe schon immer gute Freundschaften zu Leuten gepflegt, dich sich untereinander garnicht verstanden.

Naja, um zu der eigentlichen Thematik zurückzukehren: Meiner Meinung nach habe ich nie um ihre Freundschaft gekämpft. Mich haben die anderen Sachen an ihr mehr gereizt ;-)

Sie war diejenige, die immer um meine Freundschaft gekämpft hat. Da ich nicht soo kaltherzig bin, habe ich mich nie ganz von ihr entfernt.

Die inflationäre Verwendung des Wortes Liebe macht die Sache im allgemeinen nicht besser. Aber gerade dabei habe ich viel gelernt...


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BeitragVerfasst: 18.01.2012, 10:23 
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helpless80 hat geschrieben:

Naja, um zu der eigentlichen Thematik zurückzukehren: Meiner Meinung nach habe ich nie um ihre Freundschaft gekämpft. Mich haben die anderen Sachen an ihr mehr gereizt ;-)



:) Da hättest Du vermutlich das worüber Du Dich eigentlich wundern könntest: Warum sind vielen Frauen Freundschaften so wichtig? Ich denke bestimmte Männer verstehen das tatsächlich erst wenn sie von ihren Ehefrauen verlassen werden und tatsächlich ohne Kontakte zurückbleiben.
Menschen wie Du, die leicht Freundschaften schliessen verstehens vielleicht erst wenns im Alter etwas schwieriger wird neue zu finden oder - wenn Du gut bist - gar nie, weil Du immer in der Lage bist die Art Freundschaft die Du brauchst zu schliessen :). Das is natürlich das Ideal.


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BeitragVerfasst: 19.01.2012, 01:38 
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Hmm, ist es so, dass Frauen Freundschaften wichtiger sind als uns Männern?

Ich habe das eigentlich immer als sehr individuell beobachtet. Mit der Tendenz, dass Frauen vielleicht eher dazu neigen, sich an einmal geschlossene Freundschaft zu klammern.

Aber in Sachen Männerfreundschaften kann ich nicht viel sagen. Im Grunde pflege ich keine erwähnenswerte Männerfreundschaft. Liegt vielleicht an der einseitigen Erziehung meiner Mutter, aber vielleicht auch an einigen Enttäuschungen, die ich erlebt habe.


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BeitragVerfasst: 19.01.2012, 10:37 
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helpless80 hat geschrieben:
Hmm, ist es so, dass Frauen Freundschaften wichtiger sind als uns Männern?

Ich habe das eigentlich immer als sehr individuell beobachtet. Mit der Tendenz, dass Frauen vielleicht eher dazu neigen, sich an einmal geschlossene Freundschaft zu klammern.


Frage: Würdest Du an was klammern was Dir unwichtig ist?

Ich seh den Widerspruch zwischen wichtig sein und klammern nicht. Sicher ist klammern nicht gesund, aber es ist durchaus eine - wenn auch vielleicht nicht wünschenswerte - Folge aus wichtig sein.


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BeitragVerfasst: 21.01.2012, 15:31 
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Und wo war jetzt die Überraschung?

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Inzwischen langweilen sie mich sogar.


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BeitragVerfasst: 05.02.2012, 04:18 
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So! Hatte gerade eben ein langes Gespräch mit der betreffenden Freundin!

Ich hatte irgendwie das Gefühl gehabt, mit ihr reden zu müssen. Also haben wir uns getroffen. Eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich mich wirklich für sie freue, denn die letzten beiden male hatte ich keine Gelegenheit dazu.

Allerdings kamen wir tatsächlich auf unsere Vergangenheit zu sprechen! Sie ist auch der Meinung, dass gerade die Tatsache, dass wir beide viel Höhen und eben auch Tiefen durchlebt haben, dazu entscheident beigetragen hat, dass wir uns so gut kennen. Ich habe auch gesagt, dass ich sie ja mal geliebt, gehasst, gemieden hab. Sie hat mich dafür aber auch mal ne ganze Zeit in die Hölle gewünscht. Im Grunde haben wir uns ja nichts Neues erzählt, aber so offen haben wir vorher nie darüber geredet.
Wahrscheinlich viel mir das leichter, weil sie ja jetzt "vom Markt" ist und ich dadurch nicht zu befürchten hatte, dass sie es in eine falsche Richtung interpretiert.
Sie sagte auch, dass das Gespräch für sie auch sehr hilfreich war, da wir nun mit dem Thema quasi aufgeräumt haben und sie nun für ihren neuen Lebensabschnitt weiss, dass ich mit der Sache abgeschlossen habe.

Irgendwie ein gutes Gefühl auch für mich.


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BeitragVerfasst: 05.02.2012, 04:22 
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°°°derAbzulehnende hat geschrieben:
Und wo war jetzt die Überraschung?


Die Überraschung war die Tatsache, dass sie ausgerechnet mich als Trauzeugen ausgewählt hat, obwohl ich sie mal so genervt, geärgert und gehasst hab.


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