†Absolute Beginners: Unerfahren

UEberwiegend dummes Gelaber von Flachpfeifen
Aktuelle Zeit: 16.12.2018, 21:48

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Text über Zufriedenheit
BeitragVerfasst: 01.11.2014, 21:32 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.06.2007, 13:26
Beiträge: 1265
Wohnort: Sonnenbrillenhausen
Geschlecht: Männlich
Zeiten des Glücks und der Zufriedenheit kennt jeder von
uns. Meistens sind sie unvorhersehbar und tauchen auf, wo wir
sie nicht erwartet oder geplant haben. Ein Sonnenuntergang im
Urlaub, die Gesellschaft von Freunden oder eine neue
Bekanntschaft oder Liebe können solche Momente der
Glückseligkeit hervorrufen. Augenblicke vollkommener
Zufriedenheit entstehen immer spontan. Unabhängig von der
äußeren Lebenssituation tauchen sie auf und verschwinden
leider auch genauso spontan wieder.
Innerlich zeichnen sich diese emotionalen Gipfelerlebnisse
immer durch das Empfinden aus, dass alles in
Ordnung ist. Wir wollen nichts, brauchen nichts und vor allen
Dingen denken wir nicht nach. Vollständige Selbstvergessenheit
tritt ein. Wir machen uns keine Gedanken darüber, was wir
gerade darstellen oder wie wir uns selbst oder wie sich andere
Menschen in diesem Augenblick verhalten. Äußere Handlungen
geschehen dann automatisch, ohne dass wir bewusst eingreifen
oder sie kontrollieren müssen. Unabhängig von Bewertungen
und Definitionen werden wir zum puren „Sein“ und erleben

etwas, das man als Einheit mit der Umgebung und den anderen
Menschen bezeichnen könnte. Alles, was wir normalerweise als
uns selbst und unsere Persönlichkeit definieren, spielt in diesen
Momenten keine Rolle. Denken Sie einfach einmal ehrlich über
die lustigsten, schönsten und befriedigendsten Momente in
Ihrem Leben nach. Sie werden feststellen, dass Sie diese
niemals geplant oder vorhergesehen haben. Sie entstehen
zufällig und in Begleitung unserer Erwartungslosigkeit und
Unbedarftheit. Solche Zustände zu planen, ist unmöglich.
Unsere bewusste Entscheidung, ein besonders tolles und
befriedigendes Erlebnis zu planen, wirkt sich immer negativ auf
das tatsächliche Erlebnis aus. Denn je genauer wir uns im
Voraus vorstellen, wie zum Beispiel ein Abend verlaufen wird,
welche Stimmungen er in uns hervorrufen wird und welche
Ereignisse eintreten werden, desto unwahrscheinlicher wird
seine Verwirklichung. Was in solchen Fällen geschieht ist, dass
wir den ganzen Abend über an unseren Vorstellungen und
Gedanken kleben bleiben. Das Eigentliche, also die Auflösung
meiner Wahrnehmungsgrenzen und die Verschmelzung mit dem
jeweiligen Augenblick, versäumen wir.

Daher kommt es auch, dass Alkohol im sozialen Leben
westlicher Kulturen eine so bedeutende Rolle spielt. Wenn wir
uns betrinken, blockieren wir die Verbindung unserer
körperlichen Empfindungen und Reaktionen zur Großhirnrinde.
Unsere intellektuellen, differenzierenden Fähigkeiten werden
betäubt und unsere Empfindungs- und Instinktkräfte schlagen
durch. Was in Form von Alkoholexzessen und Kontrollverlusten
unschön auffällt, ist eigentlich der Versuch, unsere überzogenen
Konzepte gedanklicher und moralischer Kontrolle zu
überwinden. Und hinter diesem Versuch liegt wiederum unser
Bedürfnis nach Glücksmomenten.
Natürlich wollen wir hier keine Propaganda für
übermäßigen Alkoholkonsum betreiben. Aber uns sollte klar
sein, dass die unbewussten Absichten, die dem Alkohol- und
Drogenkonsum zugrunde liegen, nicht falsch sind. Sie zielen
immer darauf ab, uns von unserer Kopflastigkeit zu befreien und
mehr aus dem Bauch heraus zu leben. Bleibt dieses Bedürfnis
im Unterbewusstsein begraben, so kann dieser Weg in die
Drogenabhängigkeit führen. Wird uns aber bewusst, was wir
eigentlich suchen, so können wir Abhängigkeiten vermeiden.

Wir müssen nur Wege finden, um ohne chemische Hilfsmittel
gedankenloser, spontaner und intuitiver zu leben.
Wir sollten uns fragen, warum wir gerade dann am
glücklichsten sind, wenn wir vergessen haben, wer oder was wir
sind, und wenn wir über uns selbst und unsere Handlungen nicht
nachdenken. Denn sobald wir versehentlich absichtslos leben
und handeln,verstärken wir die Chance, Glückszustände zu
erleben. Diese stehen dem weitaus größeren Teil unseres Lebens
gegenüber, wo wir versuchen, Glück und Zufriedenheit durch
unser Denken und Handeln zu erzwingen. An diesem Punkt
könnten wir unseren Verstand zur Abwechslung einmal sinnvoll
einsetzen und uns fragen, warum wir so viel über unsere
Handlungen und Entscheidungen nachdenken, wenn diese mit
unseren eigentlichen Lebenszielen anscheinend wenig zu tun
haben.
Im Grunde verbringen wir doch unser ganzes Leben mit
dem Versuch, Zufriedenheit und Glück bewusst herbeizuführen.
Denn welches Ziel liegt sonst hinter all unseren Bemühungen,
erfolgreich zu sein oder anerkannt und geliebt zu werden, wenn
nicht die Sehnsucht nach Glück und Harmonie. Und wenn wir
mal zufällig einen Glückszustand erleben, so wollen wir ihn

konservieren, womit jedoch unser Denken einsetzt und die
ganze Litanei von vorne beginnt. Im Nachhinein sagen wir uns,
dass sich unser ganzes Leben so anfühlen müsste wie dieser
Moment. Dann wäre alles in Ordnung. Der logische Schluss
lautet, dass unsere bewussten Bemühungen uns nicht in die
wirklich erstrebenswerten Regionen des Lebens führen können.
Wenn es uns gelingen würde, jeden Tag und jeden
Augenblick spontan und gedankenlos zu leben, wären wir besser
dran. Die meisten Menschen werden aber die Hände über dem
Kopf zusammenschlagen, wenn ihnen jemand den Ratschlag
gibt, nur noch gedankenlos in den Tag hineinzuleben, ohne
irgendetwas zu planen und ohne über ihre eigenen Handlungen
nachzudenken. Sofort entsteht das Bild einer gesetzlosen,
chaotischen Welt. Plünderungen, Vergewaltigungen und andere
Verbrechen wären an der Tagesordnung, wenn jeder nur noch
das tun würde, was er gerade will. Ohne über die eigenen
Handlungen und deren Konsequenzen nachzudenken, halten wir
uns nicht für lebensfähig. Vielleicht würde aber auch etwas ganz
anderes geschehen. Die Vorstellung vom einbrechenden Chaos
entsteht durch unsere Angst vor dem Kontrollverlust. Wir leben
in der Auffassung, dass die Welt und unser individuelles Leben

im Chaos versinken würden, sobald wir aufhören, es gedanklich
zu planen und zu strukturieren. Vielleicht ist dem aber gar nicht
so.
Irgendein indischer Weiser hat einmal gesagt, dass wir
Menschen unser Leben leben, wie ein Fluss, der glaubt, Kraft
aufwenden zu müssen, um seine eigenen Wassermassen ins
Meer zu schieben. Der Fluss denkt, alles würde zum Stillstand
kommen, wenn er seine Bemühung aufgibt. Der Fluss wäre
überrascht, wenn er feststellte, dass er auch ohne seine
bewussten Anstrengungen weiterfließt. Mit unserem
menschlichen Leben verhält es sich ähnlich. Es klingt sonderbar
zu sagen, dass es gleichgültig ist, ob und was wir denken oder
welche Entscheidungen und Handlungen wir uns vornehmen.
Der Unterschied, auf den wir hinauswollen, liegt woanders. Es
ist nicht falsch, zu denken, zu handeln und Entscheidungen zu
treffen. Die eigentliche Frage ist, ob wir uns zu diesen
Aktivitäten zwingen müssen oder ob diese genauso gut spontan
und ohne unser bewusstes Eingreifen stattfinden würden.
Während der zuvor erwähnten Glücksmomente handeln wir
auch, aber eben intuitiv und ohne nachzudenken.

Das Problem ist, dass wir an diesem Punkt gedanklich
nicht weiterkommen. Wie der Fluss brauchen wir eine
Erfahrung, die uns spüren lässt, wie sich das Aufgeben unserer
gedanklichen Kontrolle anfühlt. Und die einzigen Erfahrungen,
auf die wir diesbezüglich zurückgreifen können, sind derzeit die
zuvor beschriebenen Glücksmomente, mit dem Resultat, dass
anscheinend alles, was wir bewusst planen und denken,
Erlebnisse von Glück und Zufriedenheit verhindert. Daher ist es
sinnlos zu glauben, dass die richtigen Handlungen zu Harmonie
und Lebensqualität führen können. Das Einzige, was wir aktiv
tun können ist, unsere vergeblichen Bemühungen zu erkennen
und einzustellen. Auf alles, was danach geschieht, haben unser
individuelles Bewusstsein und unsere Gedankenwelt keinen
Zugriff.


Aus:

Andreas Neumann "Im Fluß des Lebens". S. 69-75

_________________
Life is what happens while you're busy, arguing theoretically in forums.


Zuletzt geändert von Lion am 03.11.2014, 09:43, insgesamt 1-mal geändert.
58x geklickt, nur 4 beteiligen sich an der Umfrage. Daher Umfrage gelöscht.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: 01.11.2014, 21:32 


Nach oben
  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

0 Mitglieder


Ähnliche Beiträge

Text zum Thema Selbstanalyse
Forum: Sonstiges
Autor: Lion
Antworten: 6

Tags

Alkohol, Auto, Bau, Bild, Erde, Essen, Laufen, Liebe

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group



Bei iphpbb3.com bekommen Sie ein kostenloses Forum mit vielen tollen Extras
Forum kostenlos einrichten - Hot Topics - Tags
Beliebteste Themen: Erde, Frauen, Liebe, USA, NES

Impressum | Datenschutz